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Thermodynamisches System
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Ein thermodynamisches System ist ein rĂ€umlich abgrenzbares Objekt mit physikalischen Eigenschaften, die sich durch die Gesetze der Thermodynamik beschreiben lassen. Es muss gegenĂŒber seiner Umgebung abgegrenzt, aber nicht isoliert sein. Was zum System hinzuzurechnen ist, muss aufgrund der Definition eindeutig und klar feststellbar sein.cite-ref-2[1.1] Die Festlegung der BegrenzungsflĂ€chen zur Umgebung, auch Systemgrenzen genannt, ist willkĂŒrlich; eine geschickte Wahl der Systemgrenzen kann die Lösung einer thermodynamischen Aufgabe erheblich vereinfachen.cite-ref-4[2.1]

Ein Beispiel fĂŒr ein thermodynamisches System ist ein StĂŒck Eis, das auf Wasser schwimmt. Auch eine Menge Meerwasser in einem Becherglas kann als ein thermodynamisches System betrachtet werden (das in dem Meerwasser gelöste Salz ist dagegen kein thermodynamisches System). Weitere Beispiele fĂŒr thermodynamische Systeme sind der Inhalt einer verschlossenen Flasche Mineralwasser, der Inhalt einer Thermoskanne, die Luft im Kolben einer Luftpumpe oder das Gemisch im Brennraum eines Ofens oder eines Verbrennungsmotors.cite-ref-2-1[1.1]cite-ref-6[3.1]cite-ref-andre-thess-7-0[4]

Ein thermodynamisches System braucht gegenĂŒber seiner Umgebung nicht isoliert zu sein. So kann das auf dem Wasser schwimmende StĂŒck Eis sowohl WassermolekĂŒle und Energie an seine Umgebung aus Wasser und Luft abgeben, als auch aus ihr aufnehmen. Ein System, das sowohl Materie als auch Energie mit seiner Umgebung austauschen kann, nennt man offen; ein System, das Energie aber keine Materie mit seiner Umgebung austauschen kann, wird als geschlossen bezeichnet; und ein System, das weder Energie noch Materie austauschen kann, wird abgeschlossen oder isoliert genannt. Bei den obigen Beispielen sind das StĂŒck Eis und das Meerwasser im Becherglas offene Systeme, die geschlossene Mineralwasserflasche ein geschlossenes System und der Inhalt der Isolierkanne nĂ€herungsweise ein isoliertes System.cite-ref-6-1[3.1]

Die verschiedenen GleichgewichtszustÀnde thermodynamischer Systeme und die Energie- und Stoffumwandlungen beim Wechsel von einem Gleichgewichtszustand in einen anderen sind der Gegenstand der Thermodynamik.cite-ref-andre-thess-7-1[4]

Contents

‱ Literatur
‱ Weblinks

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Allgemeines

Thermodynamische Systeme wurden zuerst bei der Suche nach einer optimalen WĂ€rmekraftmaschine betrachtet. Nicolas LĂ©onard Sadi Carnot nannte sie „substance employĂ©e“ und „substance mise en Ɠuvre“ in seiner berĂŒhmten Arbeit von 1824.cite-ref-carnot-8-0[5] Rudolf Clausius schrieb 1850cite-ref-clausius-9-0[6] von einem „wirksamen Körper“, und Josiah Willard Gibbs benutzte in seiner Analyse heterogener Systemecite-ref-gibbs-1-10-0[7] den Begriff „material system“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich der Begriff „thermodynamisches System“.

Ein thermodynamisches System ist ein physikalisches Objekt, das sich im Rahmen der Thermodynamik durch ein mathematisches Modell beschreiben lĂ€sst. Die Postulate der Thermodynamik und spezifische Materialkonstanten erlauben RĂŒckschlĂŒsse von diesem Modell auf physikalische und chemische Eigenschaften des Systems fĂŒr verschiedene Umgebungsbedingungen und bei Einwirkungen von außen.

DarĂŒber hinaus werden in einigen Gedankenexperimenten hypothetische thermodynamische Systeme betrachtet; etwa Systeme mit TrennwĂ€nden, die nur bestimmte Atome oder MolekĂŒle passieren lassen, obwohl solch selektive TrennwĂ€nde nicht fĂŒr jedes beliebige MolekĂŒl bekannt sind. In Gedankenexperimenten zur Hohlraumstrahlung werden BehĂ€lter mit ideal spiegelnden InnenwĂ€nden benutzt. Sie enthalten keine Materie, sondern nur elektromagnetische Felder. Mit einem solchen, geschickt ausgedachten, hypothetischen „Spiegelkasten“ als thermodynamisches System konnte Willy Wien 1893 das Verschiebungsgesetz fĂŒr die Hohlraumstrahlung theoretisch begrĂŒnden.cite-ref-wien-verschiebungsgesetz-11-0[8]

Gleichgewicht und ZustandsgrĂ¶ĂŸen

Ein thermodynamisches System befindet sich im Gleichgewicht, wenn sich die unmittelbar feststellbaren Eigenschaften und weitere aus Vortheorien bekannte messbare GrĂ¶ĂŸen – wie Entfernungen, Massenwerte, KrĂ€fte – zeitlich nicht Ă€ndern; mit Vortheorien sind meist die Mechanik und die Elektrodynamik gemeint.cite-ref-12[A 1] Die Theorie der GleichgewichtszustĂ€nde thermodynamischer Systeme wird Thermostatik genannt.cite-ref-2-2[1.1]

Im mathematischen Modell eines thermodynamischen Systems werden einige Teile des Systems durch idealisierte Nebenbedingungen ersetzt. Die Systemgrenzen werden etwa als idealisierte RandflĂ€chen angesehen; GrĂ¶ĂŸe und Form sind von außen vorgegebene Bedingungen. Diese idealisierten Nebenbedingungen werden durch einen oder wenige Parameter im Modell berĂŒcksichtigt.cite-ref-2-3[1.1] Diese Parameter werden Arbeitskoordinatencite-ref-andre-thess-7-2[4]cite-ref-14[9.1] oder Ă€ußere ZustandsgrĂ¶ĂŸencite-ref-4-1[2.1]cite-ref-15[A 2] genannt. Bei Systemen in einem einzigen BehĂ€lter gibt es oft nur eine Arbeitskoordinate, nĂ€mlich das Volumen des BehĂ€lters. Bei Objekten, wie einem Wassertropfen, bei welchen die OberflĂ€chenspannung eine Rolle spielt, ist auch die GrĂ¶ĂŸe der OberflĂ€che eine Arbeitskoordinate.cite-ref-16[3.2]cite-ref-w-roedel-s-177-184-17-0[10] Befindet sich das System etwa in einem homogenen Ă€ußeren magnetischen Feld, dann ist das magnetische Dipolmoment des gesamten Systems eine weitere Arbeitskoordinate.

Die Menge der möglichen GleichgewichtszustĂ€nde eines thermodynamischen Systems entspricht im mathematischen Bild einem Gebiet in einem endlich dimensionalen reellen Vektorraum R n {\displaystyle \mathbb {R} ^{n}} , es ist der Zustandsraum der GleichgewichtszustĂ€nde Z g {\displaystyle Z_{g}} . Die Arbeitskoordinaten können als Koordinaten zur Angabe eines Zustandes benutzt werden, aber sie reichen alleine nicht aus, um einen Gleichgewichtszustand eines thermodynamischen Systems eindeutig festzulegen. HierfĂŒr mĂŒssen noch zusĂ€tzlich die Werte von inneren ZustandsgrĂ¶ĂŸen (wie zum Beispiel die innere Energie oder die Temperatur) angegeben werden.cite-ref-18[1.2]

Einfache thermodynamische Systeme

Thermodynamische Systeme werden einfache thermodynamische Systeme genannt, wenn ihre GleichgewichtszustĂ€nde durch einen Satz von Arbeitskoordinaten, die Stoffmengen der einzelnen chemischen Komponenten und die Angabe einer einzigen weiteren inneren ZustandsgrĂ¶ĂŸe wie etwa die innere Energie eindeutig bestimmt sind.cite-ref-18-1[1.2]cite-ref-19[9.2]cite-ref-carath-odory-20-0[11] Nach Lieb und Yngvason sind die einfachen thermodynamischen Systeme die Bausteine der Thermodynamik.

Beispiele fĂŒr einfache thermodynamische Systeme sind:cite-ref-19-1[9.2]

1. Ein Mol Wasser in einem Kolben (eine Arbeitskoordinate)
2. Ein halbes Mol Sauerstoff in einem Kolben in einem homogenen Magnetfeld (zwei Arbeitskoordinaten: Volumen und Magnetisierung)
3. Die Systeme der Beispiele 1 und 2 durch eine wÀrmeleitenden Kupferdraht verbunden (drei Arbeitskoordinaten)

Ein Beispiel fĂŒr ein nicht einfaches thermodynamisches System ist ein Gesamtsystem bestehend aus zwei voneinander isolierten einfachen Systemen. Auch sind Systeme mit ferromagnetischem Material in einem Magnetfeld wegen ihrer Hysterese keine einfachen thermodynamischen Systeme.

Diese Definition eines einfachen Systems findet sich in der grundlegenden Arbeit von CarathĂ©odory.cite-ref-carath-odory-20-1[11] Die meisten der in LehrbĂŒchern und in der technischen Thermodynamik betrachteten Systeme sind einfache thermodynamische Systeme. Allerdings benutzen manche LehrbĂŒcher den Begriff einfache Systeme nur fĂŒr solche mit deutlich weiteren EinschrĂ€nkungen; Callen etwa nutzt den Begriff simple systems nur fĂŒr makroskopisch homogene, isotrope und ungeladene Systeme, bei denen OberflĂ€cheneffekte, elektromagnetische Felder und das Gravitationsfeld keine Rolle spielen.cite-ref-callen-21-0[12] Ein kleiner Wassertropfen etwa ist nach CarathĂ©odory ein einfaches System, aber nicht mehr bei H. Callen wegen der zu berĂŒcksichtigenden OberflĂ€chenspannung. Die EinschrĂ€nkung von Callen hat den Vorteil, dass bei bekannter chemischer Zusammensetzung die GleichgewichtszustĂ€nde solcher geschlossenen einfachen Systeme allein durch zwei unabhĂ€ngige thermodynamische Zustandsvariablen, etwa Druck und Volumen, bestimmt sind.cite-ref-r-m-ller-22-0[13]

Skalierbarkeit

FĂŒr eine Skalierung eines thermodynamischen Systems definiert man: werden alle geometrischen Abmessungen, also alle AbstĂ€nde, mit einem Faktor λ λ 1 / 3 {\displaystyle \lambda ^{1/3}} und alle Stoffmengen mit einem Faktor λ λ {\displaystyle \lambda } multipliziert, so werden die ZustandsgrĂ¶ĂŸen, die sich dabei um einen Faktor λ λ {\displaystyle \lambda } verĂ€ndern, extensiv und solche, die sich dabei nicht Ă€ndern, intensiv genannt. Nach Ludwig sollten die Arbeitskoordinaten extensive ZustandsgrĂ¶ĂŸen sein. Die innere Energie und die Entropie sind ebenfalls extensive ZustandsgrĂ¶ĂŸen, wĂ€hrend der Druck und die Temperatur intensive ZustandsgrĂ¶ĂŸen sind.cite-ref-23[1.3]cite-ref-andre-thess-7-3[4]

Die Forderung, dass ZustandsgrĂ¶ĂŸen extensiv oder intensiv sind, schrĂ€nkt die ZustandsgrĂ¶ĂŸen als Funktionen der Koordinaten ĂŒber dem Zustandsraum wesentlich ein. Aus dieser Skalierbarkeit kann auf wichtige Beziehungen fĂŒr die chemischen Potentiale, wie die Gibbs-Duhem-Gleichung, geschlossen werden. FĂŒr ein einfaches thermodynamisches System mit einer Arbeitskoordinate V {\displaystyle V} , m {\displaystyle m} Reinstoffen mit den Stoffmengen N 1 , . . . , N m {\displaystyle N_{1},...,N_{m}} und der inneren Energie U {\displaystyle U} gilt, wenn ( U , V , N 1 , . . . , N m ) {\displaystyle (U,V,N_{1},...,N_{m})} ein Gleichgewichtszustand ist, dann ist auch der Punkt ( λ λ U , λ λ V , λ λ N 1 , . . . , λ λ N m ) {\displaystyle (\lambda U,\lambda V,\lambda N_{1},...,\lambda N_{m})} ein Gleichgewichtspunkt fĂŒr das um den Faktor λ λ {\displaystyle \lambda } skalierte System.

Dividiert man eine extensive ZustandsgrĂ¶ĂŸe durch die Stoffmenge, die Masse oder das Volumen eines Stoffes, so erhĂ€lt man eine intensive, also skaleninvariante, GrĂ¶ĂŸe, die als molare ZustandsgrĂ¶ĂŸe, spezifische ZustandsgrĂ¶ĂŸe beziehungsweise als Dichte bezeichnet wird.cite-ref-4-2[2.1]

Klassifizierungen

Nach der inneren Struktur

Thermodynamische Systeme können sehr komplex aus unterschiedlichen Stoffen zusammengesetzt sein.cite-ref-14-1[9.1] Sie lassen sich nach ihrer inneren Struktur klassifizieren.

Bereiche eines thermodynamischen Systems, in welchen lokale physikalische Eigenschaften wie Dichte und Druck, sowie die chemische Zusammensetzung ĂŒberall gleich sind, werden nach Gibbscite-ref-gibbs-1-10-1[7] homogen genannt und einer Phase zugeordnet. Beispielsweise werden bei einem System aus Wasser und einigen EiswĂŒrfeln alle EiswĂŒrfel einer Phase zugeordnet. Gleiche chemische Zusammensetzung bedeutet nicht, dass nur ein einziger chemischer Stoff vorliegen muss, es kann sich auch um ein Gemisch aus verschiedenen Stoffen handeln.

Ein thermodynamisches System heißt homogen, wenn es nur aus einer einzigen Phase besteht, andernfalls heterogen. Homogene und nur aus wenigen Phasen bestehende thermodynamische Systeme können mit den Methoden der Thermostatik mit einem endlich dimensionalen Zustandsraum, Z g {\displaystyle Z_{g}} , beschrieben werden.cite-ref-4-3[2.1]

Andere komplexere Systeme erfordern eine Kontinuumstheorie im Rahmen der irreversiblen Thermodynamik. In dieser Theorie werden lokale GleichgewichtszustĂ€nde und rĂ€umlich und zeitlich variierende ZustandsgrĂ¶ĂŸen eingefĂŒhrt. Die ZustandsgrĂ¶ĂŸen sind Felder, die einen Satz von partiellen Differentialgleichungen erfĂŒllen mĂŒssen; Beispiele hierfĂŒr sind die WĂ€rmeleitungsgleichung fĂŒr Feststoffe und die Navier-Stokes-Gleichungen fĂŒr flĂŒssige oder gasförmige Systeme. Spielen Kraftfelder wie elektromagnetische Felder oder das Gravitationsfeld eine Rolle, so fĂŒhrt dieses bei rĂ€umlich ausgedehnten Systemen zu InhomogenitĂ€ten; ein Beispiel ist das System der ErdatmosphĂ€re in der Meteorologie, ein weiteres das Innere von Sternen in der Astrophysik.cite-ref-24[1.4] Bei vielen LehrbĂŒchern der technischen Thermodynamik werden solche Systeme im Vorwege ausgeschlossen. Auch in der physikalischen Literatur wird von thermodynamischen Systemen meist nur im Zusammenhang mit aus wenigen Phasen bestehenden Systemen in der Thermostatik gesprochen. Die technischen LehrbĂŒcher beschĂ€ftigen sich vor allem mit Systemen, die nur aus gasförmigen oder flĂŒssigen Phasen bestehen. Man spricht von einem Fluid und meint damit eine FlĂŒssigkeit oder ein Gas.cite-ref-andre-thess-7-4[4]cite-ref-4-4[2.1]

Nach Stoff-Komponenten

Weiter lassen sich die thermodynamische Systeme nach der Anzahl der Reinstoffe (chemische Verbindungen oder chemische Elemente) in ihrem Inneren klassifizieren. Ein VerstĂ€ndnis der thermodynamischen Eigenschaften von Systemen, die nur aus einem einzigen Reinstoff bestehen, ist oft eine Voraussetzung fĂŒr die Analyse von Systemen mit Gemischen. FĂŒr die Systeme aus nur einem Reinstoff sind die Zustandsgleichungen fĂŒr die thermodynamischen ZustandsgrĂ¶ĂŸen meist in Grafiken, Tabellen oder Datenbanken verfĂŒgbar. Systeme aus einem einzigen Reinstoff können heterogen sein, nĂ€mlich dann wenn sie aus mehreren Phasen bestehen; wie gasförmig, flĂŒssig oder verschiedene feste Erscheinungsformen. Liegen gleichzeitig eine flĂŒssige und eine gasförmige Phase vor, so spricht man vom Nassdampfgebiet des Stoffs.cite-ref-25[2.2]

EnthĂ€lt eine Phase eines thermodynamischen Systems ein Gemisch aus mehreren Reinstoffen, so nennt man die Phase eine Mischphase, dieses Gemisch ist als eine Phase homogen. Die Stoffmengenanteile der einzelnen Reinstoffen in einer Mischphasen sind dann zusĂ€tzliche ZustandsgrĂ¶ĂŸen des Gesamtsystems. Bei besonderen Anwendungen etwa bei sehr tiefen Temperaturen, mĂŒssen auch die Isotope eines Elementes als verschiedene Reinstoffe behandelt werden, wie bei 3He und 4He.

Es gibt Gemische, bei denen die enthaltenen Reinstoffe chemisch reagieren können. Thermodynamische Systeme mit chemisch reagierenden Gemischen sind nur dann im thermodynamischen Gleichgewicht, wenn sich auch ein chemisches Gleichgewicht zwischen den Reaktanten und Produkten gebildet hat. Dieses chemische Gleichgewicht hĂ€ngt von den thermodynamischen ZustandsgrĂ¶ĂŸen, wie Druck und Temperatur ab. Die Analyse solcher Systeme ist zentral fĂŒr die physikalische Chemie und die chemische Verfahrenstechnik.cite-ref-26[2.3]

Nach der Wechselwirkung mit der Umgebung

Thermodynamische Systeme lassen sich nach der Wechselwirkung mit ihrer Umgebung klassifizieren; also danach, ob Energie und Materie die Systemgrenzen passieren kann:

Abgeschlossenes (Isoliertes) System

Ein abgeschlossenes thermodynamisches System wechselwirkt nicht mit seiner Umgebung, synonym wird auch von einem isolierten thermodynamischen System gesprochen. Ein isoliertes System darf sich in Ă€ußeren Kraftfeldern wie etwa dem Schwerkraftfeld der Erde befinden, solange sich diese Kraftfelder nicht mit der Zeit Ă€ndern. Die Lage eines isolierten Systems im Zustandsraum Z g {\displaystyle Z_{g}} bleibt nach der Einstellung des Gleichgewichts immer am selben Punkt. Von Interesse sind isolierte Systeme, wenn die Einstellung des Gleichgewichts untersucht werden soll. Will man von zwei isolierten thermodynamischen Systemen wissen, welches Gleichgewicht sich einstellt, wenn man die beiden System miteinander verbindet oder gar vereinigt, so sollte das aus beiden Einzelsystemen bestehende Gesamtsystem isoliert sein.

Geschlossenes System

Bei geschlossenen thermodynamischen Systemen kann nur Energie in Form von WĂ€rme und Arbeit die Systemgrenzen passieren.

Adiabatisches System

Das adiabatische System ist ein Spezialfall des geschlossenen, bei dem nur der Austausch in Form von Arbeitsenergie möglich ist.

Offenes System

Bei offenen Systemen kann sowohl Energie als auch Materie die Systemgrenze passieren. Offene Systeme findet man hĂ€ufig bei technischen Anlagen. Eine Turbine hat zwei Eingangsströme (Luft und Treibstoff), einen Ausgangsstrom von Verbrennungsgasen und eine Abgabe mechanischer Leistung ĂŒber eine Welle. Bei einer Rektifizierungskolonne gibt es einen einlaufenden Strom aus einem Gemisch und mindestens zwei auslaufende Ströme mit den angereicherten Komponenten des Gemisches. In der Zellbiologie wird eine Zelle als ein offenes thermodynamisches System betrachtet.cite-ref-4-5[2.1]cite-ref-6-2[3.1]

Bilanzgleichungen

Die Systemgrenzen eines offenen Systems schließen einen Raum ein, der in technischen Anwendungen oft Kontrollraum genannt wird, bei den Systemgrenzen spricht man auch von der BilanzhĂŒlle. Aus den ErhaltungssĂ€tzen fĂŒr Energie und Materie lassen sich fĂŒr solche Systeme Bilanzgleichungen fĂŒr die Energie und die Stoffmenge aufstellen.cite-ref-27[2.4]

Offenes System

Bei einem offenen System kann das System sowohl Energie als auch Materie mit seiner Umgebung austauschen. Ein Beispiel fĂŒr ein offenes System, in dem ein Vorgang kontinuierlich ablĂ€uft, ist eine Turbine. Im stationĂ€ren Betrieb wird das System von einem konstanten Massenstrom durchflossen, die Massenbilanz ergibt Null. Dabei bleiben die ZustĂ€nde des Fluids am Eintritt und am Austritt konstant und das Fluid Ă€ndert seinen Zustand auf dem Weg durch das System. Die Wellenarbeit wird beim Verdichten dem System zugefĂŒhrt, beim Expandieren abgegeben. Sie wird technische Arbeit genannt.

Sie wird beschrieben durch:

ή ή W t = V ⋅ ⋅ d p + ή ή W d i s s + ή ή E a {\displaystyle \qquad \mathrm {\delta } W_{\mathrm {t} }=V\cdot dp+\delta W_{\mathrm {diss} }+\delta E_{\mathrm {a} }}

(Hierbei ist ÎŽ ÎŽ E a {\displaystyle \delta E_{\mathrm {a} }} die Änderung der Ă€ußeren Energien. Die Definition der technischen Arbeit ist in der Literatur unterschiedlich. Verschiedentlich versteht man darunter nur den ersten Term V d p {\displaystyle Vdp} ).

Neben dieser Arbeit treten am Eintritt und Austritt des Systems Verschiebearbeiten auf. Hat im stationĂ€ren Betrieb das Masseteilchen Δ Δ m {\displaystyle \Delta m\ } am Eintritt das Volumen Δ Δ V 1 {\displaystyle \Delta V_{\mathrm {1} }\ } und am Austritt Δ Δ V 2 {\displaystyle \Delta V_{\mathrm {2} }\ } , so ist die Verschiebearbeit am Eintritt p 1 ⋅ ⋅ Δ Δ V 1 {\displaystyle p_{\mathrm {1} }\cdot \Delta V_{\mathrm {1} }} , entsprechend am Austritt − − p 2 ⋅ ⋅ Δ Δ V 2 {\displaystyle -p_{\mathrm {2} }\cdot \Delta V_{\mathrm {2} }}

Diese Verschiebearbeiten sind neben der inneren Energie U {\displaystyle U} in den jeweiligen Enthalpien enthalten. Mit der Definition der Enthalpie

H = U + p ⋅ ⋅ V {\displaystyle H=U+p\cdot V}

ist die Bilanz fĂŒr das offene stationĂ€re System:

Q ˙ ˙ + W t ˙ ˙ = H ˙ ˙ 2 − − H ˙ ˙ 1 + m ˙ ˙ ⋅ ⋅ g ⋅ ⋅ ( z 2 − − z 1 ) + m ˙ ˙ 2 ⋅ ⋅ ( c 2 2 − − c 1 2 ) {\displaystyle {\dot {Q}}+{\dot {W_{\mathrm {t} }}}={\dot {H}}_{\mathrm {2} }-{\dot {H}}_{\mathrm {1} }+{\dot {m}}\cdot g\cdot \left(z_{\mathrm {2} }-z_{\mathrm {1} }\right)+{{\dot {m}} \over 2}\cdot \left(c_{\mathrm {2} }^{2}-c_{\mathrm {1} }^{2}\right)}

und mit dem Symbol fĂŒr die Leistung

W t ˙ ˙ = P {\displaystyle {\dot {W_{\mathrm {t} }}}=P}

und der Ă€ußeren Energie

m ˙ ˙ ⋅ ⋅ g ⋅ ⋅ z + m ˙ ˙ 2 ⋅ ⋅ c 2 = E ˙ ˙ a {\displaystyle {\dot {m}}\cdot g\cdot z+{{\dot {m}} \over 2}\cdot c^{2}={\dot {E}}_{\mathrm {a} }}

lautet der erste Hauptsatz fĂŒr die Anwendung am offenen System:

Q ˙ ˙ + P = H ˙ ˙ 2 − − H ˙ ˙ 1 + Δ Δ E ˙ ˙ a {\displaystyle {\dot {Q}}+P={\dot {H}}_{\mathrm {2} }-{\dot {H}}_{\mathrm {1} }+\Delta {\dot {E}}_{\mathrm {a} }}

Die in der Skizze als Beispiel fĂŒr ein offenes System gezeigte Verbrennungskraftmaschine ist genau genommen abwechselnd offen und geschlossen. Nur ĂŒber grĂ¶ĂŸere ZeitrĂ€ume hinweg kann sie als offenes System betrachtet werden.

Geschlossenes System

Beim geschlossenen System kann Energie in Form von WĂ€rme, Strahlung und Arbeiten zu- oder abgefĂŒhrt werden. Als Arbeiten kommen in Betracht:

1. Die reversibel zugefĂŒhrte VolumenĂ€nderungsarbeit, Volumenarbeit genannt. Beispiel in der Skizze: Mit dem Kolben wird reibungsfrei das im Zylinder befindliche Gas verdichtet. ÎŽ ÎŽ W V = − − p ⋅ ⋅ d V {\displaystyle \qquad \mathrm {\delta } W_{\mathrm {V} }=-p\cdot dV} Da d V {\displaystyle dV} negativ ist, ist also die zugefĂŒhrte Arbeit positiv.
2. Dissipierte Arbeit. Als Beispiel sei ein Ventilator oder eine elektrische Heizung in einem Raum mit starrer Systemgrenze genannt. Über die Systemgrenze fließt Arbeit (Exergie), die innerhalb des Systems dissipiert wird. Die Arbeit durch ReibungskrĂ€fte zwischen Kolben und Zylinder gehört zu diesen irreversibel zugefĂŒhrten Energien.

Da nach dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik Energie weder erzeugt, noch vernichtet werden kann, erhöht sich die innere Energie um die zugefĂŒhrten Energien. Die Bilanz fĂŒr das ruhende geschlossene System lautet:

Q 1 , 2 + W 1 , 2 = U 2 − − U 1 {\displaystyle Q_{\mathrm {1,2} }+W_{\mathrm {1,2} }\ =U_{\mathrm {2} }-U_{\mathrm {1} }}

mit

W 1 , 2 = W d i s s 1 , 2 + W V 1 , 2 {\displaystyle W_{\mathrm {1,2} }\ =W_{\mathrm {diss1,2} }+W_{\mathrm {V1,2} }}

(Die Indizes 1 und 2 benennen den Anfangs- und den Endzustand, der Index 1,2 den Weg von 1 nach 2)

Werden durch den Einfluss der zugefĂŒhrten Energien die Ă€ußere Energien des Systems, also die potentielle Energie und/oder die kinetische Energie des Systems verĂ€ndert, so ist die Bilanz nach dem 1. Hauptsatz fĂŒr das geschlossene System:

Q 1 , 2 + W 1 , 2 = U 2 − − U 1 + m ⋅ ⋅ g ⋅ ⋅ ( z 2 − − z 1 ) + m 2 ⋅ ⋅ ( c 2 2 − − c 1 2 ) {\displaystyle Q_{\mathrm {1,2} }+W_{\mathrm {1,2} }=U_{\mathrm {2} }-U_{\mathrm {1} }+m\cdot g\cdot \left(z_{\mathrm {2} }-z_{\mathrm {1} }\right)+{m \over 2}\cdot \left(c_{\mathrm {2} }^{2}-c_{\mathrm {1} }^{2}\right)}

Anmerkungen

cite-note-12A 1. ↑ Nach Ludwig wird die Temperatur erst im Rahmen der Thermodynamik definiert und sollte daher nicht fĂŒr die Definition des grundlegenden Begriffs des thermodynamischen Gleichgewichts benutzt werden. Ludwig weist auf eine weitere Schwierigkeit bei der Feststellung des Gleichgewichtszustandes hin. Es gibt nĂ€mlich bei allen bekannten GleichgewichtszustĂ€nden immer verfeinerte Messungen, deren Messergebnisse sich Ă€ndern (man denke etwa an die Messung des Druckes mittels sehr kleiner FlĂ€chen in sehr kurzen Zeitintervallen). Der Anwendungsbereich muss daher auf gewisse GrĂ¶ĂŸen beschrĂ€nkt werden. Diese EinschrĂ€nkung wird hĂ€ufig dadurch ausgedrĂŒckt, dass man die zugelassenen MessgrĂ¶ĂŸen kurz thermodynamische Observablen nennt. Welche GrĂ¶ĂŸen das sind, ist nicht von vornherein festgelegt, sondern der Anwendungsbereich schĂ€lt sich erst durch die Anwendung der Theorie heraus.
cite-note-15A 2. ↑ Baehr und Kabelac zĂ€hlen auch die Geschwindigkeit des Systems im Bezug zu seinem Beobachter zu den Ă€ußeren ZustandsgrĂ¶ĂŸen.

Literatur

‱ Hans Dieter Baehr, Stephan Kabelac: Thermodynamik - Grundlagen und technische Anwendungen. 16. Auflage. Springer Vieweg, Braunschweig 2016, ISBN 978-3-662-49567-4.
‱ GĂŒnther Ludwig: EinfĂŒhrung in die Grundlagen der theoretischen Physik. Band 4. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1979, ISBN 3-528-09184-3, XIV Thermodynamik, S. 5–145.

Weblinks

Commons

: Thermodynamic systems

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

1. GĂŒnther Ludwig: EinfĂŒhrung in die Grundlagen der theoretischen Physik. Band 4. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1979, ISBN 3-528-09184-3, XIV.
2. Hans Dieter Baehr, Stephan Kabelac: Thermodynamik – Grundlagen und technische Anwendungen. 16. Auflage. Springer Vieweg, Braunschweig 2016, ISBN 978-3-662-49567-4.
3. Gerd Wedler, Hans-Joachim Freund: Lehrbuch der Physikalischen Chemie. 6. Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2012, ISBN 978-3-527-32909-0.
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